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Aktuelle Trends und neuste Entwicklungen im Payment-Markt

Vortrag von Christian Vetsch, CMO der Abrantix AG, anlässlich der Accarda Road Show vom 24. März 2015 in Zürich

Gerne möchte ich mich herzlich bei Accarda für die Vortragseinladung zum Thema aktuelle Trends und Entwicklungen im nationalen und internationalen Payment-Markt bedanken. Als Basis für meinen Vortrag dienen mir die gewonnenen Informationen aus dem Tagesgeschäft der letzten Monate, das mich seit vielen Jahren mit Lösungsanbietern, Anwendern und Entwicklungsfirmen im Bereich bargeldloses Bezahlen zusammenbringt. In meiner Funktion als CMO bei der Abrantix AG, besuche ich viele nationale und internationale Konferenzen und Messen. Die aus dem Tagesgeschäft, den Konferenzen und den Messen gewonnenen Erkenntnisse zu den Entwicklungen im Payment-Markt, gebe ich gerne aus meiner Perspektive an Sie weiter.

Die Entwicklung des bargeldlosen Bezahlens in den letzten 65 Jahren

Wenn wir über Innovationen in unserer Branche sprechen, schaue ich gerne als Erstes zurück auf das Erreichte. Der Ursprung bargeldloser Bezahlsysteme am Verkaufspunkt liegt bei DinersClub im Jahr 1950, gefolgt von der AmericanExpress im Jahr 1958. Erst 1966 kam es zur Gründung von MasterCard durch die Vereinigung einzelner US-Banken im Kreditkartenwesen. Weitere 10 Jahre später entstand die VISA.

Und wer kennt ihn nicht, den Ritsch-Ratsch? Der Plastikkarte mit der eingeprägten Kartennummer sei Dank, lebt diese Bezahllösung auch heute noch obwohl sie gegenwärtig meist als Notfallbeleg dient. Gemäss einem führenden Acquirer lebt aktuell noch immer ein KMU-Betrieb davon, sämtliche Ritsch-Ratsch-Belege in dessen Auftrag zu digitalisieren.

1978 wurden in der Schweiz über 100 Bankomaten installiert. Im Gegensatz zu den USA, wo sich ein Profisportler sogar einen Bankomaten in der Küche installiert haben soll, gibt es in der Schweiz aktuell 5‘000 Bankomaten. Es scheint, als sei das den Schweizern genug. Den Bedarf an Kücheninstallationen kennen wir hierzulande bisher jedenfalls noch nicht. Ein Grund dafür liegt in der optimalen Verbreitung offener EFT/POS-Terminals ab dem Jahr 1990. Diese verarbeiten neben Kreditkarten wie VISA und MasterCard, die nationalen Debitkarten Maestro und PostCard und nicht zuletzt Privatkarten wie MyOne von Manor und M-Card von der Migros. Gegenwärtig stehen in der Schweiz über 120 000 EFT/POS-Terminals im Einsatz, auf welche über 20 verschiedene Karten aufgeschaltet werden können.

Um die Jahrtausendwende entstand dann mit dem Aufbau des Online Handels zwangsläufig das Onlinebezahlen. Da die führenden Acquirer eine direkte Einreichung nicht aktiv umsetzten, etablierten sich die PSP-Anbieter (Payment Service Provider), die sich um die Integration der Online Bezahllösungen in die jeweiligen Online Shops kümmern.

Mittlerweile hat das Zeitalter des M-Commerce Einzug gehalten. Damit verbunden gibt es viele spannende, realistische aber noch mehr fantastische, unrealistische neue Angebote. Dabei stehen für mich die zentralen Fragen im Vordergrund:

  • was verändert die mobile Revolution beim Bezahlvorgang?
  • Was ist erlaubt?
  • Welche Lösungen funktionieren und welche nicht?

Was bringt die Zukunft

Vermutlich geht es Ihnen ähnlich wie mir. Täglich lesen wir vom Bezahlen mit dem Handy. Glaubt man den Medien so gestalten die Banken, Telkos, Acquirer, Smartphone Hersteller und jetzt sogar die Uhrenindustrie den Zahlungsprozess neu. Das Gelesene stiftet meist mehr Verwirrung als Aufklärung und ist häufig nicht korrekt. Geht es bei der umschriebenen Lösung um das Bezahlen mit einem Datenträger an Stelle einer Karte? Geht es um die Technologie der Datenübertragung oder geht es darum, wie digitale Karten im Smartphone hinterlegt werden? Handelt der Artikel von einem neuen Bezahlsystem mit dem Smartphone oder werden alte, bekannte Zahlungsverfahren einfach “mobilisiert”?

Wir alle bezahlen täglich am Verkaufspunkt per EFT/POS-Terminal. Zunehmend bezahlen wir auch im E-Shop. Und neu auch bei mobilen Händlern mittels MPOS.

Folglich hat ein Händler heute die Wahl zwischen einem handelsüblichen EFT/POS-Terminal und einem MPOS-Terminal. Informiert man sich aber über die Preisangebote dieser MPOS-Lösungen, stellt man schnell fest, dass die Lösungen zwar kostengünstig angeboten werden, die Kommissionen hingegen enorm hoch sind. Ein weiterer Minuspunkt, die Lösungen unterstützen noch keine nationalen Debitkarten.

Aus Sicht der Technik gestaltet sich der Verkaufspunkt zukünftig zunehmend mehr mit Tablet-Kasse und MPOS-Terminal. Deshalb erstaunt es auch nicht, dass die grossen Acquirer in Start-Up‘s investieren, die MPOS-Lösungen anbieten, so wie kürzlich die ConCardis in die Firma Order-Bird.

Wechseln wir vom Verkaufspunkt zum Wallet, dem Portemonnaie. Es stellt sich die Frage, was das Schwierige daran ist, die Plastikkarte auf das Smartphone zu bringen? Ist es nicht eher eine Frage nach den unterschiedlichen Interessen der Beteiligten, der Sicherheit der Lösungen und darüber wer die Kontrolle hat?

Wer versteht was unter Wallet? Selbst unter Experten gehen die Meinungen auseinander. So kann auch ich lediglich die Meine hinzufügen. Aus meiner Sicht klären viele Berichte nicht den Charakter und die Anwendung des Wallets bzw. der neuen Bezahlmethode. Wie sieht die Lösung konkret aus? Welche Anwendungsmöglichkeiten deckt sie ab? Die einen sprechen über die sichere Kartendatenhaltung auf dem Smartphone und die anderen über Möglichkeiten Bezahlverfahren neu zu erfinden.

Typisch für einen Boom ist, dass zu den bestehenden Lösungen unzählige neue Bezahlverfahren hinzukommen, die nach dem Boom schnell wieder verschwinden. Erinnern Sie sich an den E-Commerce Boom im Jahr 2000? Innerhalb von 2 Jahren integrierten wir über 30 Bezahlverfahren in eine E-Commerce Lösung. Doch die meisten dieser Fantasien verschwanden nach dem Boom. Einige dieser Lösungen tauchen jetzt erneut auf, mit einem M anstelle des E.

Betrachten wir von den unzähligen Lösungen im internationalen Markt nun die, welche kürzlich in den Schweizer Medien Thema waren.

Tap-it

Geht es um Wallets, ist Tap-it ganz vorne mit dabei. In Absprache mit allen Banken und Telkos der Schweiz macht es Swisscom mit Tap-it möglich, dass ich meine Kreditkarten auf der Swisscom SIM-Karte sicher hinterlegen kann. Das spricht doch für einen Erfolg. Die Lösung ist umgesetzt und verfügbar. Wieso machen wir nicht alle längst mit? Liegt es daran, dass mein Smartphone noch kein NFC unterstützt? Ist mir der Registrierungsaufwand zu gross? Sind es die letzten Ängste beim Anwender oder komme ich ohne meine Plastikkarte noch nicht durch den ganzen Einkaufprozess?

Es ist die Mischung aus allem, da bin ich mir sicher. Auch überzeugt bin ich davon, dass die Issuer meiner Kreditkarte nicht aktiv genug dazu beigetragen haben, dass meine Kreditkarte in Tapi-it abgelegt wird. Wurden die Telkos gar von den Smartphone Herstellern links überholt? Ich meinte schon, denn aktuell zeichnet sich genau das ab. VISA und MasterCard treiben die direkte Zusammenarbeit mit den grossen Herstellern voran. Und so glaube ich, wir werden schon bald aktiv von unserem Issuer über die Möglichkeit informiert, dass wir unsere VISA und MasterCard mühelos auf unserem Smartphone registrieren können. Ob dies in einem, erst in zwei oder drei Jahren der Fall sein wird, wird sich zeigen.

Neben dem Smartphone kommt als Datenträger für das Bezahlen neu auch die Uhr in Frage. Führende Smartphone Hersteller lancieren Smartwatches. Dem nicht genug, springt auch die Uhrenindustrie auf diesen Zug auf. Swatch und TagHeuer (LMVH) haben in den letzten Tagen ihre Smartwatch-Projekte angekündigt. Warten wir ab. Höchstwahrscheinlich werden viele von uns in naher Zukunft die Plastikkarte auf der Uhr mittragen.

Neue Bezahlmethoden oder Bekanntes dank neuer Technologie

Unabhängig davon welche Technologie verwendet wird, haben wir bei allen elektronischen Bezahlverfahren die gleichen Möglichkeiten um zu bezahlen. Diese sind pay later mit Kreditkarte, pay now mit Debitkarte und pay before mit Wertkarte. Bei der neuen PostFinance Twint Lösung, erfolgt die Bezahlung nach pay before.

Wieso soll ich mir einen Wert auf mein Smartphone laden, um diesen an einem Verkaufspunkt wieder auszugeben, wenn ich Inhaber mehrerer Karten bin? Erschwerend kommt dazu, dass die Zahlungen mit Twint nicht über bestehende EFT/POS-Terminals abgewickelt werden können. Auch frage ich mich, wieso die PostFinance Twint braucht und Six Payment Services mit den Banken an der Lancierung der Smartphone Lösung P2P arbeitet. Warum bringen sie nicht einfach ihre bekannten Debitkarten auf die digitalen Datenträger?

Und was vom Handel für eine Transaktion verlangt wird, ist aus meiner Optik reine Finanzpolitik, da die PostFinance und die Six in jedem Fall die Systembetreiber sind und bleiben. Beide Lösungen bewerben zudem die Möglichkeit der Geldüberweisung zwischen Personen. Doch wie oft kauft man Ware ein und wie oft überweist man jemandem Geld? Für PR-Zwecke und die Darstellung in der Werbung erscheint es mir cool, wenn sich Jugendliche gegenseitig Geld überweisen. Aber entspricht dies auch der Realität? Ich bin gespannt, wie weit verbreitet die Lösungen in zwei, drei Jahren sind.

Vorteil für das elektronische Bezahlen

Was sich jedoch abzeichnet ist, dass private Kreditkarten gute Chancen haben. Durch die Digitalisierung können sie sich schnell verbreiten, denn der Anwender muss nicht für jedes Geschäft ein zusätzliches Plastikkärtli mit sich herumtragen. Es wird für mich möglich, die unterschiedlichsten Privatkarten bequem auf meinem Smartphone mitzuführen. Zusätzlich erhalte ich meine Bonuspunkte oder Rabatt-Märkli digital.

Eine der ersten mobilen Bezahlmethoden durften wir im Auftrag der Accarda mitentwickeln. Dabei war es wichtig, ein sicheres Bezahlverfahren über die bestehende EFT/POS-Infrastruktur zu unterstützen und alle handelsüblichen Smartphone Generationen miteinzubeziehen. Zu diesem Zeitpunkt wurde als Übertragungsweg zwischen Einkäufer und Verkäufer noch nicht auf NFC gesetzt.

Ich glaube NFC wird sich für das Bezahlen durchsetzen, da in der Schweiz alle neuen Terminals NFC-fähig sind und zu den umgerüsteten Visa, MasterCard und Amexco Kreditkarten ab 2015/2016 auch die Debitkarte und die PostCard auf NFC nachgerüstet werden. Zu den neuen, bequemen Bezahlmethoden kommt die von der WEKO beschlossene Interchange Senkung hinzu, die das bargeldlose Bezahlen zusätzlich fördern wird. Ob wir diesen Veränderungen sei Dank in den nächsten Jahren das Bargeld loswerden? Da sind wir uns wahrscheinlich alle einig, eher nicht.

Geheimtipp für die Umsetzung neuer Zahlungssysteme!

Bei der Umsetzung einer Idee, stellen sich im Vorfeld meist tausende von Fragen. Die Meinungen darüber, was beachtet werden soll, gehen auseinander. Meine Erfahrung sagt mir, dass bei der Einführung möglicher, neuer Bezahllösungen häufig an den Tatsachen vorhandener Gegebenheiten vorbeigeschaut wird, da sonst die Einhaltung der Businesspläne nicht gewährleistet werden kann.

Also geht man den vermeintlich schnellen Weg. Vorbei an allem, ohne Rücksicht auf vorhandene nationale Gegebenheiten oder der notwendigen Integration in die bestehende Infrastruktur der Händler. Es hilft einem Händler wenig, wenn eine neue Bezahllösung mit günstigen Transaktionskosten beworben wird, sie jedoch nicht integrierbar ist und daher kaum Anwendung findet.

Gerne helfen wir Ihnen bei der Umsetzung von neuen Zahlungssystemen mit unserem langjährigen Fachwissen. Initial lohnt sich schon oft ein Fachgespräch mit unseren Spezialisten.

Christian Vetsch

Christian ist Partner bei Abrantix und für die Kundenbetreuung zuständig. Er arbeitet seit 1991 in der Zahlungsverkehrsbranche und verfügt über enorme Kenntnisse und Erfahrungen in der Branche. Mit einem starken nationalen und internationalen Netzwerk legt er grossen Wert auf den direkten Kundenkontakt.

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