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Innovative Payment Modelle (Vortrag Swiss Payment Forum 2014, Daniel Eckstein, CEO)

Was war los in der Innovations-Ecke des Payments?

2013 und 14 war ein interessantes Jahr in Bezug auf Innovation im Payment. So gab es diverse neue Ansätze und Lösungen in beinahe allen Bereichen des Payment. Sei dies beim Akzeptieren von Zahlungsmitteln (POS) oder bei den Karten- und Walletlösungen.

Es entstanden unzählige Walletlösungen, speziell in den USA. Da die USA immer noch Magnetstreifen-Transaktionen akzeptiert kann dort die Kartennummer einfach in einer App erfasst werden und schon hat man ein Wallet. In Europa ist das etwas komplizierter, da die Wallets den EMV Standard unterstützen müssen.
Im MPOS Bereich gab auch fast täglich News. Square, iZettle, SumUp, Payleven und zirka weiter einhundert MPOS Anbieter tummeln sich im Markt und werben um Kunden. Zurzeit kommen fast täglich neue Devices auf den Markt. (Eigentlich ein gutes Geschäft für uns, denn wir helfen einigen mit unserem EMV L2-Kernel, sowie der entsprechenden Zertifizierung.)
Sehr viele Terminals und Wallets setzen dabei auf die NFC Technologie.

Technologie: Bitcoin

Eine andere Innovation welche sehr grosse Medienpräsenz hatte, ist sicherlich Bitcoin. Bitcoin ist eigentlich eine sehr interessante Technologie, aber ob sie für den Zahlungsverkehr tauglich ist, bleibt zu beweisen. Bitcoin skaliert sehr schlecht, da es technologisch sehr aufwändig entwickelt wurde. Die Blockchain wird immer grösser und damit die Transaktionen immer langsamer. Das Bitcoin-Netzwerk hat eine maximale Transaktionsverarbeitungsrate von 6 TRX pro Sekunde. Mehr geht nicht. Visa zum Beispiel verarbeitet heute 2’000 TRX pro Sekunde. Da Bitcoin sehr verschwenderisch mit den Ressourcen umgeht (Rechenpower und Strom = Wärme), behaupten einige Technologie-Freaks die Bitcoin Rechner seinen eine etwas teure Heizung.

Technologie: iBeacon

Ebenfalls gab es immer wieder Lösungen und Ansätze mittels der iBeacon-Techologie (Low Energy Bluetooth) zu bezahlen. Diesen Bereich erachte ich aber eher als experimentell, da sich die Kartenindustrie für NFC entschieden hat. Aus meiner Sicht wird sich iBeacon daher eher für Loyalty und andere Applikationen nutzen lassen als für das Bezahlen. Dies aus einem ganz einfachen Grund: EFTPOS Terminals verfügen über keine iBeacon Infrastruktur und somit ist diese Technologie nicht flächendeckend verfügbar. Daher sehe ich für diese Technologie bei den „offiziellen“ Zahlkarten eher keine Zukunft, bei lokalen und händlereigenen Zahlungsmitteln wäre es aber durchaus möglich Lösungen auf Basis von iBeacon zu entwickeln. Andererseits basiert kein grosser Wallethersteller (Apple, PayPal, Google, etc.) auf dieser Technologie. Daher eher nein für Payment Karten.

Technologie: HCE

Ein weiterer grosser Technologie-Trend war HCE (Host Card Emulation). Diese Technologie ermöglicht es, sichere, NFC-fähige Walletlösungen ohne die MNO’s zu verbreiten. Ich denke von dieser Technologie werden wir in Zukunft noch einiges hören.

Letztes Jahr hatte ich an dieser Stelle einige „kuriose“ Innovationen vorgestellt. Z.B. Coin (https://onlycoin.com/), eine Karte auf welche mehrere Magnetstreifen codiert werden können. Von diesem Unternehmen hat man dieses Jahr keine News erhalten. Auch auf der Webseite wurde nur ein Eintrag vom April veröffentlicht. Ich nehme daher an, dass dies kein riesiger Erfolg war. Ebenfalls Google Glas Payments. Die Website ist immer noch im gleichen Zustand wie letztes Jahr. Das Produkt ist daher scheinbar nicht der absolute Brüller. Ich habe aber trotzdem noch ein neues Google Glas Payment Produkt gefunden: Glasspay (http://www.glasspay.us/). Schauen Sie sich das mal an. Ich als Technofreak wäre wahrscheinlich bereit so ab ca. 2021 so zu bezahlen. Bis dahin sind höchstwahrscheinlich alle anderen Zahlungsmittel und Methoden einfacher zu handhaben.

Ganz generell kann man aber sagen, dass 2014 das Jahr von NFC und Tokenisation war.

NFC und Tokenisation

Diese Technologie hat sich im Markt verbreitet und auch Apple hat nach jahrelangem Zögern sich für die NFC Technologie entschieden. Somit ist NFC nicht nur die Technologie der Wahl der Kredit- und Debitkarten sondern auch bei den Wallet-Applikationen.

In der Schweiz wurde in den letzten zwei Jahren die komplette EFTPOS Terminal Population ausgetauscht und wir haben heute beinahe an jeder Kasse die Möglichkeit kontaktlos zu bezahlen. Nahezu 80’000 Verkaufspunkte akzeptieren NFC-Transaktionen.

Rund 20% der Kreditkarten-Zahlungen bei Migros sind bereits kontaktlos. Im Bereich Selfscanning sind es sogar rund 40%. Ich erachte das eine sehr hohe Akzeptanzrate, insbesondere da diese Technologie erst seit 2014 wirklich flächendeckend zu Verfügung steht. Scheinbar ist diese Art der Bezahlung einfach und für jedermann verständlich, daher wird sie auch angewendet.

Das gleiche gilt für Europa. Im 2013 wurden in Europa 340.1 Millionen kontaktloser Zahlungen abgewickelt. Die führenden Länder hierbei sind:

  • Poland (158.7 million purchases)
  • UK (94.3 million purchases)
  • Czech Republic (30.6 million purchases)
  • Slovakia (23.1 million purchases)
  • Spain (17.5 million purchases)

Und der Kontaktlos-Boom hat erst begonnen. Ich persönlich hätte nicht gedacht, dass die Konsumenten diese Technologie so schnell aufnehmen.

Und dieser Erfolg führt uns zur wahrscheinlich grössten “Innovation” im Jahre 2014:

Apple Pay.

Apple hat im September 2014 bei der Präsentation der neuen Appleprodukte “Apple Pay” vorgestellt. Eine neue Möglichkeit mit dem iPhone, resp. allen iOS-Geräten Zahlungen abzuwickeln. Hierbei basiert Apple Pay auf auf allen grossen Kreditkarten nämlich Visa, Mastercard und American Express. Mit Apple Pay ist es möglich die Kartennummer ins iPhone zu übertragen und somit an der Kasse zu bezahlen. Hierzu wird ebenfalls die NFC Technologie genutzt um eine Zahlung auszulösen. Was ist also neu, resp. innovativ an Apple Pay? Eigentlich relativ wenig. Google und andere Walletanbieter bieten diese Möglichkeit schon sein einigen Jahren. Was aber sehr speziell ist, dass Apple in Zusammenarbeit mit VISA und Mastercard einen Tokenisation-Service aufgebaut hat welcher nicht die reale Kartennummer sondern abgeleitete Kartennummern sogenannte Tokens in das Smartphone übertragen lässt. Als Übertragungsmedium zu den EFTPOSTerminal’s dient die NFC-Technologie. Das Handy emuliert dabei eine kontaktlose Karte. Somit verhält sich das Smartphone identisch wie eine kontaktlose Zahlkarte. Aus diesem Grund kann ApplePay an jedem handelsüblichen EFTPOS Terminal mit kontaktlos Funktionalität eingesetzt werden. In der Schweiz wäre dies somit flächendeckend möglich.

Das sind die Good-News. Ab sofort kann jeder Issuer an diesem System teilnehmen. Hierzu muss er einen Tokenistation Service anbieten und mit Apple einen Vertrag unterzeichnen, damit die virtuellen Kartennummern (Token) in die iPhones geladen werden. Das gleiche kann der Issuer dann mit Goolge und allen anderen Wallet-Anbietern machen welche diese NFC/HCE/SE Technologie unterstützen. Dies führt sicherlich zu einer schnelleren Verbreitung von Wallet-Lösungen auf den ganzen Welt.

Aus den geschriebenen Sätzen lässt sich ableiten, dass Apple nun der grösste Wiederverkäufer von VISA

In der Payment Industrie sind richtige Innovationen eher selten. In unserer Industrie ist Innovation fast immer die Verbesserung von bestehendem, also eher eine Evolution. Dabei wird vor allem der Einsatz der Kreditkarte vereinfacht. Richtige Innovation, resp. disruptive Innovations, sind so quasi inexistent. Und diese hat auch einen guten Grund., Mastercard und American Express ist. Apple verdient dafür 0.15% vom Kaufbetrag. Schön und toll für Apple. Aber was ist hier Innovativ und was bringt dies den Kunden? Sie können nun mit einer Kreditkarte bezahlen, aber das konnten sie ja vorher auch schon.

Die Evolution des Payments sieht in etwa wie folgt aus. In den sechziger Jahren startet die Kreditkarte mit Magnetstreifen. Ca. im Jahr 2000 kam die Chip und EMV Technologie. 2006 gehen die ersten NFC fähigen Kreditkarten an den Start. Ab 2010 sieht man die ersten NFC fähigen Wallet basieren auf dem Secure Element der MNO’s. 2014 kommt die NFC Technologie mit Tokenisation von Apple. In Zukunft wird es wahrscheinlich Smartwatches mit NFC Chips geben welche für Zahlungen eingesetzt werden können. Aber was ist all diesen Zahlungsmethoden gleich? Sie basieren auf der Kreditkarte.

Everything is based on credit cards.

Wo bleibt da die Innovation?

Ein möglicher, neuer Trend ist die Zahlung mittels einer Smartwatch durchzuführen. Smartwatches, wie es der Name schon sagt, sind intelligente Uhren welche mit vielen Sensoren und Technologie bestückt wird. Unter anderem können sie sogar die Zeit anzeigen. Aber Spass bei Seite. In den aktuellen Generationen von Smartwatches werden ebenfalls NFC-Chips verbaut. Mittels diesen NFC-Chip kann die Uhr die Zahlungsinformationen an ein Zahlterminal übermitteln. Hierzu kann exakt die gleiche Technologie verwendet werden wie ApplePay oder Google Wallet, respektive die Technologie einer normalen, kontaktlosen Zahlkarte.
Aber die Smartwatch kann noch mehr. Smartwatches haben den Vorteil, dass sie über diverse biometrische Sensoren verfügen und somit auf Grund der Puls-Rate, Körpertemperatur, Blutdruck, Fettmessung, etc. relativ gut bestimmen können von wem sie gerade getragen werden. Userauthentication heisst das. Für den Zahlungsvorgang würde das wahnsinnig helfen, denn es identifiziert den “Uhr-” respektive “Karteninhaber” und der PIN müsste nicht mehr eingegeben werden.
Ich bin mir sehr sicher, dass wir schon nächstes Jahr mit den ersten Smartwatches bezahlen können, da auch dies keine riesige Innovation ist, sondern auch nur eine andere, “einfachere” Art mit der Kreditkarte zu bezahlen.

Was wollen die Kunden?

Die Kunden wollen einfach über Ihr Geld verfügen, es ausgeben, sparen, anlegen, etc. Wenn ich etwas bezahlen will dann soll dies einfach, sicher und transparent funktionieren. Sicher und transparent sind hier die Schlagworte. Sicherheit bedeutet, dass keine Betrugsszenarien möglich sind und Transparent bedeutet, dass ich jederzeit die Kontrolle sowie den Überblick über meine Zahlungen habe. Und natürlich soll es nicht extra Kosten wenn ich ein bestimmtes Zahlungsmittel einsetze. Dies gilt z.B. nicht mehr in allen Fällen bei den Kreditkarten. Wenn ich bei den Elektronik-Discountern (Digitec, Steg, etc.) mit Kreditkarte bezahle muss ich einen Aufpreis akzeptieren. Wieso denn das?
Weil die Akzeptanz von Kreditkarten Geld kostet. Es ist ja durchaus ok, dass ein guter Service Geld kostet. Es ist jedoch nicht wirklich nachvollziehbar dass der gleiche Service immer mehr kostet nur weil neue Player in den Markt kommen und auch etwas vom Kuchen abhaben wollen.

Dies haben einige wenige Leute erkannt und daher gibt es in unserem Markt auch “richtige” Innovationen. Die berühmteste ist wahrscheinlich Bitcoin. Eine eigene Währung die ohne Transaktionskosten und andere Gebühren ausgetauscht werden kann. Eigentlich super. Aber eine eigene Währung hat seine eigenen Probleme und ist Wechelkurs-Schwankungen ausgeliefert und somit auch nicht von jedermann nur geschätzt. Und dann gibt es ja noch das Thema des übermässigen Ressourcenverbrauchs. (Stromkosten)
Eine andere sehr innovative Lösung ist Dwolla. Dies ist eine Möglichkeit Zahlungen direkt von einem Bankkonto zum anderen zu übertragen. Und dies in realtime, vom Computer oder Mobiltelefon. Funktioniert ganz einfach und kostet den Händler nur 25 USCents pro Trx.
Letztes Jahr am Swiss Payment Forum hat uns Bo Harald von der “Real Time Economy” erzählt, und dass diese in den nordischen Staaten (Norwegen, Schweden, Finnland) heute schon Realität ist. Dort kann man in Real Time Geld von einem Bankkonto auf das andere übertragen.
Eine weitere neue Lösung in diese Richtung ist Jiffy (https://www.sia.eu/Engine/RAServePG.php/P/647510012601/L/1), ein Produkte der SIA aus Italien. Diese Lösung wurde am 15.10.2014 das in Mailand vorgestellt. Mit ihr soll es möglich sein Zahlungen von Bank zu Bank mittels SEPA “real time” credit transfer zu übermitteln. Sie soll es 400 Millionen EU Konteninhabern ermöglichen Zahlungen in Real Time von IBAN zu IBAN zu tätigen. Wie gesagt, die Lösung ist brandneu und wir werden das genau verfolgen.

SIX Payments Services hat eine wunderbare P2P Lösung vorgestellt. Diesen Lösungen gebe ich sehr hohe Marktchancen. Die Markteinführung hängt aber stark vom Preismodell ab. Ist es zu billig, dann wir es von den Banken nicht gefördert. Ist es zu teuer, so wir es von den Konsumenten (und dem Handel) nicht akzeptiert.

Innovationen im domestischen Zahlungsverkehr

Im nationalen Zahlungsverkehr gibt es noch einen Trend den wir in den letzten zwei Jahren festgestellt haben: den Kauf auf Rechnung. Wenn ich mit einer Kreditkarte bezahle ist diese ja nichts anderes als heute etwas zu kaufen und dafür morgen die Rechnung zu erhalten. Immer mehr Inkasso-Firmen haben Lösungen entwickelt die genau dies ermöglichen. Ich kaufe etwas und erhalte ende Monat die Rechnung. Und dies noch besser; ich kann beim Kauf auf direkt auf einen Ratenzahlungsvertrag einwilligen. Und dies bei jedem Kauf, bei jeder Zahlung, egal wie hoch der Betrag ist.
Diese Lösungen stossen auf ein sehr grosses Echo im Ecommerce finden Ihren Weg aber auch an den POS. Accarda als Betreiberin der Manor-Karte, der grössten Schweizer Privatkarte, bietet ein solches System mit grossem Erfolg an. Denn im Bereich Ecommerce möchten ca. 50% aller Kunden mit Rechnung bezahlen und der Händler möchte die Zahlungsgarantie. Genau hier kommen diese Systeme sehr erfolgreich zum Einsatz. http://www.accarda.com/de/produkte/kauf-auf-rechnung/

Das sind doch wirkliche Innovationen. Es ist schnell, einfach, kann von jedermann benutzt werden und kostet keine extra Gebühren. Und genau das ist der Haken. Wenn es keine Gebühren kostet dann wird es von den Banken leider nicht gefördert. Aber vielleicht macht ja eine kleine Bank den Anfang und wer weiss was dann passiert.

MPOS

Noch ein Wort zu MPOS. MPOS wurde in der Schweiz vor allem von der UBS und SumUp eingeführt. Ich hatte letztes Jahr schon ausgeführt, dass MPOS ein neues Geschäftsmodell benötigt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Händler über längere Zeit bereit sind einen Kommissionssatz von 2,75% zu akzeptieren. Dies speziell vor dem Hintergrund dass sich der Kommissionssatz für POS Transaktionen langsam unter 1% bewegt. Ab 2015 werden die Interchange-Gebühren aufgrund eines EU-Gerichtsbeschlusses auf 0.3% gesenkt. Da kann ich mir sehr schlecht vorstellen, dass Geschäftsmodelle mit 2,75% noch funktionieren.
Abrantix hat sich in den letzten zwei Jahren stark mit diesem Thema auseinander gesetzt und eine MPOS Lösung entwickelt, welche ohne zusätzlichen Gebühren auskommt.

In diesem Sinne: seinen Sie innovativ und nicht naiv.

Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

Daniel Eckstein

Daniel ist der CEO und Gründer von Abrantix, ein Visionär, Querdenker und die treibende Kraft hinter Abrantix. Zusammen mit seinen anderen Partnern hat er das Unternehmen zu einem führenden Anbieter von Zahlungssoftware entwickelt.

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