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Micropayment in der Schweiz

Swiss Payment Forum vom 27. & 28. November 2013

Die neuesten Erkenntnisse und Trends für Payment in der Schweiz

Darum wurde auch ich zu diesem Forum eingeladen.

Mein Name ist Christian Vetsch. Ich gehöre zu den Menschen, die bereits mit der ersten Generation des bargeldlosen Bezahl-Viruses infiziert wurden.

Mein Thema: Micropayment in der Schweiz

CASH

Das Elektronische Kleingeld der Schweiz, was hat das noch mit Trends im Payment zu tun? Ganz und gar nichts. Es ist jedoch eine der seriösesten Erkenntnisse, wie man ein Bezahlsystem nicht einführen sollte. Es lohnt sich auch für Sie, die gemachten Erfahrungen, für zukünftige Entscheide rund um Innovationen, zu berücksichtigen.

Es war im Sommer 1997, als die Hersteller von Automaten und EFT/POS Lösungen an die Hardturmstrasse 201 nach Zürich eingeladen wurden. Gastgeber war Dr. Jaques Bischoff, CEO der Europay Schweiz AG. Thema, CASH…….. der Schlüssel zum elektronischen Münz. Schon bei der Bekanntgabe des Markennamen musste ich mir von meinen internationalen Branchenkollegen einiges anhören. „Super Name, Cash an Stelle von Cash“. Doch was der Fachbranche an diesem Tag vorgestellt wurde, hat uns mehr getroffen als der Markenname CASH.

Die Ausgangslage aus Sicht der Bankenvertreter war hervorragend. Bereist 3,5 Millionen in der Schweiz lebende und arbeitende Personen waren im Besitz einer „ec-Karte“. Einfacher geht es nicht. Chip auf die ec-Karte mit „CASH“ Lade und Bezahl Funktion. Verbreiten und los geht es. Auch die Postfinance machte mit, als Herausgeber von Co-Cash-Karten. Alle Bank- und Postomaten wurden sofort für das Laden des elektronischen Münzes nachgerüstet. Zwei Module wurden vorgestellt. Der „Schlumpf“ und das CASH-Automaten-Modul. Ziel des Anbieters war, eine möglichst schnelle Verbreitung dieser Module im Handel. An alles wurde aus Sicht der Anbieter gedacht, sogar an das „Verschenken“ der Terminals, um den Erfolg zu garantieren.

Was wurde vergessen?

Seit Anfang der 90iger Jahre wurden durch verschiedene Firmen im Schweizermarkt EFT/POS Terminals für das Verarbeiten aller Debit und Kreditkarten angeboten. Zum Zeitpunkt der Präsentation einer „geschlossenen CASH“ Lösung hatten sich die meisten Grosskunden, wie auch viele 1000 kleinere Händler, bereits ein EFT/POS Terminal gekauft. Auch die Billet Automaten der SBB waren bereits mit EFT/POS Terminals ausgestattet. Jedoch glaubten die CASH Anbieter, dass sie neben den bestehenden Terminals ein zweites „CASH only“ Terminal an den Verkaufspunkt bringen können. Aus diesem Grund existierten auch keine Pflichtenhefter für die Protokollumsetzung auf bestehende EFT/POS Lösungen. Die Automatenbranche staunte zudem nicht schlecht, dass der ganze Bezahlablauf nicht mit den gängigen Automatenprozessen übereinstimmte. Der Handel wiederum wurde darüber aufgeklärt, dass pro Transaktion eine Gebühr und zusätzlich eine Umsatz abhängige Kommission erhoben wird. Bis ins Jahre 2001 erlebte die EFT/POS Branche in der Schweiz die Markterschliessung mit über 90‘000 installierten Terminals ohne CASH Funktion. Die Folge: Von den 15‘000 verteilten „Schlümpfen“ verschwanden die meisten in den Schubladen der Händler. Obwohl zwischenzeitlich offene Pflichtenhefter erstellt wurden und die neuere Terminalgeneration für die CASH Funktion vorbereitet war, machte der Handel nicht mehr mit.

Die umsatzstärksten Kunden blieben die Banken selber, an ihren hausinternen Verpflegungsstationen.

Da kam die Expo.02 zum richtigen Zeitpunkt für eine Neulancierung von CASH an breiter Front. Es wurden Verträge ausgehandelt, Pflichtenhefte erstellt und umgesetzt, bis hin zu einem Pos Management System, welches alle Umsätze der Expo.02, mit CASH als einzige Währung, bis auf die einzelnen Verkaufspunkte detailliert vergüten konnte. Doch je näher die Expo.02 kam (zum Glück wurde diese um ein Jahr verschoben), umso mehr Kompromisse mussten eingegangen werden. Die Logik siegte. Es wurden alle Zahlmöglichkeiten zugelassen.

Am Ende blieb den Banken die Erkenntnis, CASH muss in die Selbständigkeit, da alle Subventionen keinen Erfolg brachten.

Chancenlos!

Mit der Vereinheitlichung des bargeldlosen Bezahlens in der Schweiz unter ep2, wurde es um das Produkt CASH immer stiller. Dazu beigetragen hat sicher auch die Marktöffnung im Acquiering für VISA, MasterCard und Maestro Lizenzen. Die Folge davon, günstigere Kommissionen für die Händler, grössere Verbreitung der Kreditkarten, unterstützt durch neue Issuer wie Migros und Coop, welche als erste Anbieter die Kreditkarten ohne Jahresgebühren abgeben und so den Einsatz der Kreditkarten an allen Verkaufspunkten in den eigenen Geschäften öffneten.

Der Schweizermarkt wird zwischen 2004 bis 2010 mit über 120‘000 ep2 EFT/POS Terminals ausgestattet, ohne CASH Funktion. Ab 2010 beschliesst die Kreditkartenindustrie auch die „kleinen“ Transaktionen zu mögen. Die klassische Aufteilung im Kartengeschäft ist überholt. Lange galt die Formel:

CASH 0 bis 20, Debit 20 bis 100, Kredit ab 100

Die Banken beschliessen 2011 die CASH Funktion auf neuen Maestro-Karten nicht weiter anzubieten.

Am 31.12.2013 wird die Verarbeitung der CASH Funktion auch technisch eingestellt.

Die, welche CASH eingesetzt haben, wussten über die Vorteile. Trotzdem kenne ich viele Karteninhaber, die nicht ein einziges Mal einen Betrag auf die Karte geladen haben. Eigentlich schade. Eine gute Idee aber ohne Erfolg!

 

girogo

Was haben unsere Nachbarn in Österreich oder Deutschland für Lösungen? Quick ist das CASH von Österreich und die Geldkarte war es in Deutschland. Aus der Geldkarte wurde 2012 girogo. Was hat man gelernt?

Auch in Deutschland startete man mit dem elektronischen Münz 1996. Ein gutes Beispiel für den Einsatz aller Geldkarten an Automaten sind die Zigarettenautomaten. In der Schweiz haben sich die Banken gegen das Alters-Bit entschieden, 18 ja,nein. Bei der Geldkarte wurde dieses eingeführt. Was ich jedoch lange nicht gewusst habe, der Münzenschlitz verschwand nicht. Bei meinen Recherchen wurde mir mehrfach bestätig, dass die Geldkarte aus diesem Grunde gerne nur zur Erkennung benutzt wird, manchmal auch die des schon 18 Jährigen Kollegen und bezahlt wird danach mit Münzen.

Wie möchte man nun girogo zum Erfolg verhelfen? Sicher gehört dazu in der jetzigen Zeit das kontaktlose Bezahlen. Zusätzlich setzt man neben den Geldautomaten und den EFT/POS Terminals als Ladestationen auch auf das Nachladen der girogo Karte via Internet. Was natürlich im mobilen Zeitalter nicht fehlen darf, ist eine girogo APP, für das Smartphone, sofern man eines mit NFC-Funktion besitzt.

Wie alle Projekte die von Finanzinstitutionen lanciert werden, ging man beim DSGV (Deutscher Sparkassen – und Giroverband) sehr pflichtbewusst und strategisch vor. In einer ausgesuchten Pilotregion (Hannover) wurde die Giro-Karte mit der go Funktion ausgestattet. Möglichst viele Händler mit den entsprechenden Terminals ausgerüstet. Anbieter von girogo Terminals hat es schon einige. Sowohl integrierte Lösungen der neuesten RFID Terminalgeneration oder „girogo only“ Terminals. Der DSGV stellte mir auf Anfrage die aktuellen Zahlen zu. Ich überlasse es Ihnen, ob das der Durchbruch für ein neues nationales Zahlungsmittel ist oder erst noch wird. An den kosten welche die Banken pro Transaktion erheben, sollte es nicht liegen. Wer den deutschen Markt kennt, weiss jedoch, dass die Netzbetreiber eine zusätzliche Gebühr erheben können.

Die Vorteile einer nationalen Micropayment Lösung wie girogo, sehe ich in der Nutzung einer für alle Girokontoinhaber bestens bekannten Karte. Jedoch gilt auch da wieder, die Zigarettenautomaten müssen auf RFID Leser nachgerüstet werden, der Chipleser und der Münzschlitz sollen gemäss meinen Informationen, bleiben. Und was ist mit VISA MasterCard? Möchte ich als Automatenbetreiber wirklich eine Lösung ohne VISA/MasterCard, zumal diese RFID und NFC stark fördern. Also stehe ich als Händler und Automatenbetreiber vor dem Entscheid, auf eine nationale Lösung oder gleich auf ein handelsübliches Produkt zu setzen, welches offen für alle Zahlkarten ist.

In den Gesprächen mit den Fachstellen von girogo, spürte man eine gewisse Verunsicherung darüber, dass VISA und MasterCard so stark in den Micropayment Markt investieren. Heute gilt die Erkenntnis, die Karte, welche man am meisten einsetzen kann, ist im Portemonnaie zu vorderst und macht am Ende des Tages am meisten Umsatz, egal ob Plastik, RFID oder Smartphone, NFC.

Nicht vergessen oder unterschätzen darf man dabei auch die neuen Bezahlmethoden, welche an diesem Forum genügend vorgestellt wurden. Sonst empfehle ich Ihnen den Blog meines Kollegen Daniel Eckstein unter http://blog.abrantix.com/.

Ich bin gespannt, wie sich girogo gegen alle anderen Mitbewerber im 2014 hält.

Wo steht die Schweiz heute?

Auf was setzen wir beim Micropayment der Zukunft?

Nach dem die Banken sich von CASH verabschiedet haben, die Issuer stark auf Kreditkarten setzen und die Verkaufsstellen in der Schweiz schon sehr gut mit RFID EFT/POS Terminals ausgestattet sind, stellen sich uns die folgenden Fragen:

Welche Bezahlmetode wende ich in welchem Fall an? Ist es wirklich eine Frage der

  • Karte
  • der Geschwindigkeit
  • der Technologie
  • der Sicherheit
  • oder der Kosten

Betrachtet man den Markt und vergleicht, an was vergangene Micropayment Methoden gescheitert sind, gebe ich VISA und MasterCard sehr gute Chancen. Sie haben die grösste Verbreitung nicht nur national, sondern auch international. Sie sind sehr beliebt bei den Karteninhabern u.a. auch wegen der Monatsrechnung und immer mehr auch wegen den Raten-Bezahlmöglichkeiten. Die Händler in der Schweiz akzeptieren die Kreditkarten, allen voraus die VISA und MasterCard, flächendeckend. Kleine Ausnahmen sind noch vorhanden, jedoch mit den neuen Interchange- Abgaben für 2014, werden auch die letzten Akzeptanzstellen noch erschlossen. Und ganz wichtig, die Preismodelle können dank dem Transaktionsmix kostengünstig angeboten werden. Jedoch hat die Vergangenheit auch schon gezeigt, dass plötzlich neue Kostenstrukturen in gewissen Branchen aufgetaucht sind, ich denke da an Parkhäuser oder Verpflegungsautomaten mit minimalen Transaktionsgebühren, die dazu geführt haben, dass viele in der Branche auf Kreditkarten verzichtet haben. Oder durch Zulassungsauflagen, so dass keine passende oder bezahlbare Anwendung für eine bestimmte Branche angeboten wird.

Chancen?!

Viele der neuen möglichen Bezahlmethoden werden kommen und gehen, da sie an der Verbreitung, der Akzeptanz oder den Kostenstrukturen scheitern werden. Denn es braucht schon einiges an Volumen um im Micropayment kostengünstig einen Bezahlservice anzubieten.

Gute Chancen räume ich nationalen Privatkarten, wie z.B. der Manorkarte, ein. Diese haben den Vorteil, dass sie nur nationalen, nicht aber internationalen Regulierungen entsprechen müssen. So glaube ich, können private Zahlmetoden, welche durch die Händler selber gefördert werden, gerade im Mix zwischen Kleinstbeträgen bis zu grösseren Ausgaben, dank modernen Technologien und der Verbindung zu Bonusprogrammen, erfolgreich eingesetzt werden. Solche Dienste finden schnell Anklang bei den Anwendern.

Die Erfolgsfaktoren für Micropayment

Gerne erinnere ich mich zurück an die e-commerce Blase. Noch nie entstanden schneller neue Bezahlverfahren als zwischen 1996 und 2000. In Hamburg, der Hochburg aller Payment- Fantasien, zählten wir 1999 über 35 verschiedene, heute nicht mehr existierende, Bezahlmethoden. Viele nannten ihr Verfahren „Micropayment“.

Mit m-commerce kommen viele dieser Zahlmethoden wieder zum Vorschein. Welche sich durchsetzen werden, erfahren wir sicher bald. Einige von Ihnen sind schon im Überlebenskampf. Gerade bei Start-Up Firmen werden die Preismodelle zur schnellen Kundengewinnung nicht kostendeckend berechnet und nur durch fantasievolle Wachstumszahlen können die Businesspläne erreicht werden. Das Kommen und Gehen von neuen Bezahlmetoden wird bleiben.

Der Kunde ist Volljährig

  1. Jeder Händler ist Unternehmer und wird entscheiden welches Produkt für Ihn stimmt.
  2. Kein Händler möchte für ein neues Bezahlverfahren eine zusätzliche Infrastruktur aufbauen.
  3. Dem Händler ist es egal, ob mit Plastikkarte, gesteckt, oder hingehalten, ob mit dem Smartphone oder der Uhr bezahlt werden kann. Hauptsache er macht mehr Umsatz.
  4. Was kostet es? Nicht nur auf den ersten Blick!
  5. Die Anwender sind nicht alle 20 und möchten um jeden Preis mit dem Smartphone bezahlen. Aber schön wäre es schon, wir könnten endlich das Portmonee zuhause lassen.
  6. Die mobile Generation ist nicht bereit ohne Mehrwert höhere Kosten zu tragen.
  7. Alles was Micropayment erfüllen muss ist; Einfach, schnell, sicher und kostengünstig sein.

Oder ist die Zeit sogar reif, Micropayment neu zu definieren?

Stellen Sie sich vor, wir alle können heute und jetzt über unser mobiles e-banking ein mobiles Micropayment-Konto eröffnen.

Wir bestimmen den Betrag auf diesem Konto, welcher auch unserem eigenen Risiko untersteht.

Dafür haben wir jederzeit das mobile Kleingeld auf unserem Smartphone dabei, können an jeden anderen mobil-Konto Inhaber ohne Kosten Geld überweisen und dieser erhält die Überweisungsbestätigung sofort.

Das alles ohne zusätzliche Kosten. Ganz einfach „Bank zu Bank“ Zahlungen. Das Internet und die mobilen Geräte würden es zulassen!

Wir, die Abrantix AG, beschäftigen uns täglich mit Innovationen rund um das Bezahlen. Wir freuen uns, mit ihnen über die Zukunft zu sprechen.

Christian Vetsch

Christian ist Partner bei Abrantix und für die Kundenbetreuung zuständig. Er arbeitet seit 1991 in der Zahlungsverkehrsbranche und verfügt über enorme Kenntnisse und Erfahrungen in der Branche. Mit einem starken nationalen und internationalen Netzwerk legt er grossen Wert auf den direkten Kundenkontakt.

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